Straßenverkehrsrecht / Versicherungsrecht /
Artikelnummer: 07022810
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AUCH AUF DER AUTOBAHN MUSS UNTER UMSTÄNDEN 'AUF SICHT' GEFAHREN WERDEN
Beim Herannahen an eine Unfallstelle, die durch die Unfallfahrzeuge klar erkennbar ist, muss „auf Sicht“ gefahren werden. Der Fahrzeugführer hat die Geschwindigkeit so einzurichten, dass er auf ein Hindernis, das auf der Straße liegt, so reagieren kann, dass ein Auffahren unmöglich ist. Dies hat das Landgericht München I entschieden und damit ein Urteil des Amtsgerichts München vom 11.01.2006 bestätigt.
Am 04.12.2004 wurde ein Fahrzeug, das bei der späteren beklagten Haftpflichtversicherung versichert war, auf der Autobahn A 99 bei Hohenbrunn in einen Verkehrsunfall verwickelt. Als Folge dieses Unfalls lagen auf der mittleren Spur der Fahrbahn unter anderem ein Reifen, eine Eisenstange sowie kleinere Autoteile. Die auf der mittleren Fahrspur auf die Unfallstelle zufahrende spätere Klägerin konnte ein direktes frontales Auffahren auf die Fahrzeugteile zwar vermeiden, in dem sie bremste und nach links auswich. Dennoch erfasste sie mit ihrem rechten Vorderrad die Eisenstange. In Folge dessen entstand an ihrem Fahrzeug ein Sachschaden von insgesamt € 9.815,26. Da ein Anwalt eingeschaltet wurde, der die Schadensregulierung gegenüber der Beklagten betreiben sollte, entstand ein weiterer Schaden in Höhe von € 756,09, insgesamt also € 10.571,35. Vorprozessual hat die beklagte Haftpflichtversicherung lediglich 2/3 dieser Summe, also € 7.132,21 bezahlt. Da sich die Klägerin nicht mit dieser Zahlung abfinden wollte, kam der Fall vor das Amtsgericht München. Der zuständige Richter wies die Klage ab. Bei einem Autoreifen, so der Richter, handele sich um ein gut sichtbares Objekt. Die Klägerin hätte bei herannahen an die Unfallstelle, die durch die Unfallfahrzeuge klar erkennbar gewesen sei, „auf Sicht“ fahren müssen. Mit anderen Worten, sie habe ihre Geschwindigkeit so einrichten müssen, dass sie auf ein Hindernis, das auf der Straße liege, so reagieren könne, dass ein Auffahren unmöglich sei. Bei angemessener Geschwindigkeit wäre der Unfall somit vermeidbar gewesen. Eine Mithaftung der Klägerin in Höhe von 1/3 des entstandene entstandenen Schadens, so wie ihn die beklagte Haftpflichtversicherung reguliert habe, sei daher angemessen. Mit diesem Urteil fand sich die Klägerin nicht ab und legte Berufung zum Landgericht München ein. Die zuständige Kammer schloss sich jedoch der amtsrichterlichen Entschei-dung in vollem Umfang an und wies das Rechtsmittel als unbegründet zurück.

Quelle: Landgericht München I - Pressemitteilung des Amtsgericht München von 31.03.2006
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